Rückblick 2014
Port of Thoughts 2014 in Hamburg: Vom erfolgreichen Scheitern im Handel – Multichannel Retailing im Zeitalter der „Sofortness“.

Hamburger Handelsgipfel „Port Of Thoughts“ 2014 inspiriert mit Insights und Innovationen im Bereich Multichannel-Handel.

Hamburg, 20. November 2014 – „Hat der Handel das Handeln verlernt?“ – Stille beherrscht den Ballroom des Empire Riverside Hotels an diesem Novembermorgen auf der Veranstaltung „Port Of Thoughts“ in Hamburg. Auf diese Frage ging Prof. Dr. Björn Bloching, Partner von Roland Berger Strategy Consultants, gleich in seiner Eröffnungsrede ein. Eindrucksvoll belegen Statistiken ein Abdriften der Kunden in das E-Shopping – mal mehr, mal weniger, je nach Branche unterschiedlich. Im Bereich Consumer Electronics immerhin 15,8 %. Auch geht hervor, dass rund 70% der Kunden im stationären Handel unzufrieden sind. Die Gründe: unzureichende Beratung, mangelnde Kompetenzen, Wartezeiten.

Try and fail, try again, fail better.

Der „Port Of Thoughts“ fördert Fragen und Problemstellungen zu Tage und liefert dazu Ideen und Lösungsansätze in einer Zeit, in der schnelles Handeln zunehmend gefragt ist. „Innovationen wagen: try early, fail early, try again, fail better…“ ist das Fazit. Ob es nun um die Weiterentwicklung von Stationärformaten geht oder um den Einsatz neuer Konzepte wie Co-Creation, der Zusammenarbeit mit dem Kunden. „Dinge früh ausprobieren und gegebenenfalls auch früh wieder einstellen, keinesfalls lange konzipieren, um dann festzustellen, dass man sich in einer Sackgasse befindet“. Darin sind sich nahezu alle Referenten einig. Die hochkarätigen Speaker und Branchenexperten stellen in den neun Slots viele spannende Konzepte und Case Studies vor und bereichern das Publikum auf unterhaltsame Art und Weise. So fallen Begriffe wie „Sofortness“, welche die Nachfrage nach ständiger oder sofortiger Verfügbarkeit beschreiben. Die Antworten: schneller liefern, besser verfügbar machen, effizienter und kostengünstiger arbeiten. Deshalb erfreuen sich Konzepte wie Click & Collect, also online kaufen und stationär abholen, über immer mehr Zuspruch. „Auch etablierte Unternehmen müssen sich mal auf Abenteuer einlassen“ weiß Martin Sinner, CEO von Redcoon. Der Saal hängt gebannt an den Lippen des sympathischen Idealo-Gründers, der von seinen Erfahrungen mit Mark Zuckerberg und Larry Page berichtet, die er auf einer gemeinsamen 9-monatigen Reise mit Kai Diekmann (BILD-Chefredakteur) ins Silicon Valley gemacht hat.

Gemeinsam mit dem Kunden erfolgreich sein

Gleich eine ganze Reihe guter Beispiele weist Dr. Michael Bartl, CEO der HYVE AG, für Co-Creation, der Zusammenarbeit mit dem Kunden, auf. Am Beispiel der Neuentwicklung eines Deos zeigt er eindrucksvoll, wie es gelingt, den Kunden Teil des Erstellungs- oder Verkaufsprozesses werden zu lassen, um so schnell das Mehrfache an Umsatz zu erzielen. Im Übrigen, ein Prinzip, das die HYVE AG selbst auf den Prüfstand gestellt hat, als man eine eigene Eierlikörmarke kreierte.

„Das knappste Gut in der heutigen Zeit ist Aufmerksamkeit“, spricht Marcus Auth über den Erfolgsfaktor Emotionen in der cross-medialen Kundenansprache, der mindestens genauso wichtig ist wie der richtige Einsatz technologischer Mittel. „Wirtschaft bedeutet Datenwirtschaft. Der Kunde verlangt, dass Daten auf allen Kanälen vorgehalten werden – egal ob Sie mit dem Smartphone oder dem Notebook unterwegs sind oder im Laden vorstellig werden“, so Michael Kliger, Managing Director International ebay Enterprise, „das Smartphone hat in nur sieben Jahren das geschafft, wofür das Telefon 25 Jahre benötigte – technologische Geschwindigkeit wird vom Konsumenten angenommen“. So drehte sich der Port Of Thoughts um alle Facetten des Multichannel Retailing, nicht zuletzt mit Robert Heinemann, Senior Director Management des ECE, auch um den Stationärhandel im Beispiel der Shopping Center.

Auch Print ist hochpersonalisierbar

Gerhard Märtterer, Leiter One-to-One-Marketing der Eversfrank Gruppe, ist überzeugt: „One fits all“ ist passé: Jeder tickt anders, jeder will individuell angesprochen werden. Wer tausende Kunden hat, braucht Printmedien und CRM. Nur, wer zum richtigen Zeitpunkt die richtige Botschaft im richtigen Ton aussendet, erzeugt Relevanz.“

Die soziale Komponente ist wichtiger als rationale Zahlen.

Im großen Finale hörte der Saal gespannt Sascha Lobo zu. Der Buchautor, Blogger und Strategieberater referierte mit seinem Vortrag „die phantastische, bedrohliche Evolution der Kaufentscheidung“ über die digitale und soziale Vernetzung und deren Auswirkung auf den Handel. Mit einem Beispiel über die „Weisheit der Vielen“ zeigte der Webexperte, welchen Einfluss der soziale Aspekt bei Bewertungen auf die Konsumenten hat. „1200 Top-Bewertungen werden unwichtig, wenn ein einzelner Freund uns vehement davon abrät ein Hotel zu besuchen“, so die These im Beispiel eines Hotelbewertungsportals.

Der „Port of Thoughts“ war die zweite Auflage des von der comosoft GmbH, der Eversfrank Gruppe und Roland Berger veranstalteten Handelsgipfels und fand am 12. November 2014 im Empire Riverside Hotel, Hamburg statt. „Wir konnten uns in diesem Jahr über stark steigende Besucherzahlen und erneut positives Feedback freuen. Die Veranstaltung wird gut angenommen und wir freuen uns schon auf das kommende Jahr“, so Matthias Fischer, Geschäftsführer der comosoft GmbH.