Rückblick 2013
Warum Kreditkarten-Firmen Ihre Scheidung voraussagen und wieso Windeln den Verkauf von Bier steigern.

Retail Summit zum Thema Big Data freut sich über „Big Interest“.


Fast alle Unternehmen haben ein Data Warehouse und halten damit interessante und nützliche Kundendaten vor. Nur die wenigsten Unternehmen jedoch, sind in der Lage diese Daten auch gewinnbringend und in der Praxis zu nutzen.  Dazu gehören vor allem die richtigen Herangehensweisen sowie die richtigen Tools zur Umsetzung. Antworten und Inspirationen auf die Frage zum Umgang mit Big Data gab das erste Retail Summit 2013 in Hamburg.

Unweit von den Landungsbrücken, im Herzen von St. Pauli, ist das Empire Riverside der Veranstaltungsort des Retail Summit 2013. Bereits frühmorgens ist das Foyer gefüllt mit Experten aus Handel, IT und Marketing. Mit Fokus auf „Big Data“ haben comosoft, die Evers-Frank Druck- und Mediengruppe sowie die Strategy Consultants von Roland Berger eingeladen. Über 160 Teilnehmer aus Europa und Nordamerika sind dieser Einladung gefolgt und füllen damit den Ballroom des Hotels fast bis auf den letzten Platz aus. Während man sich noch bei einer Tasse Kaffee austauscht, erreicht Keynote-Speaker Harper Reed die Veranstaltung.
Der extra aus Chicago eingeflogene US-Amerikaner war als CTO mit der wohl ausgefeiltesten, digitalen Wahlkampfstrategie für den Erfolg bei der Wiederwahl von Barack Obama mitverantwortlich.

Um 10.00 Uhr ist es dann soweit: Der Ballroom wartet gespannt und schließlich fällt der Startschuss. Kay Julius Evers, Geschäftsführer der Evers Frank Gruppe und Prof. Dr. Björn Bloching, Senior Partner von Roland Berger Strategy Consultants, eröffnen, bereits mit spannenden Erfahrungen zum Thema Big Data, die Veranstaltung. Was bedeutet Big Data heute und wie lässt sich der praktikable Nutzen hieraus ziehen? Dass die Motive der Datennutzung völlig unterschiedlich sein können, wird am Beispiel eines Supermarktriesen sowie im Fall der Kreditkartenunternehmen klar. So findet sich beispielsweise in Kunden- und Kassenbon-Daten wieder, dass sich Männer besonders gerne mit einem Sixpack Bier belohnen, wenn sie im Auftrag der Gattin Windeln besorgen müssen und dass man somit den Umsatz merklich steigern kann, wenn man Bier im Regal neben den Windeln platziert. Hätten Sie zudem gewusst, dass Kreditkartenunternehmen in der Lage sind Ihre Scheidung innerhalb der nächsten Jahre vorauszusagen?

Im Beispiel der USA ist dies aber tatsächlich der Fall: Scheidungen gelten als eines der größten Bonitätsrisiken und sind somit besonders interessant für die Kreditkartenunternehmen, die diese Risiken anhand gesammelter Kundendaten analysieren. Auf diese Fakten hin gibt es zunächst eine Kaffeepause, die auch dazu dient bunt zu diskutieren, ehe es in parallelen Vorträgen weitergeht. Während im Konferenzraum Senior Business Advisor Wolfgang Schwab von der SAS Institute GmbH zum Thema „Big Data Analytics in Aktion“ referiert, lädt der Ballroom mit real,- Geschäftsführer Patrick Müller-Sarmiento zum Thema Customer Centric Retailing ein. Müller-Sarmiento berichtet dabei ausgiebig über seine Erfahrungen mit Kundendaten aus Payback-Systemen und Kassenzettelauswertung. Mit der Möglichkeit, kundenspezifisch Marketing zu betreiben, hat das Unternehmen bereits nennenswerte Steigerungen erzielt und bietet somit viele Inspirationen für den besseren Umgang mit Kundendaten.

So viel Information will verarbeitet werden und so bietet die Mittagspause Gelegenheit zu Networking und Stärkung. Wissensdurstige können im Innovation Lab auch in der Pause weiter Informationen tanken. comosoft stellt hier mit den Multi-Channel-PIM-Systemen LAGO4 und portlight® praktikable Lösungen für das Marketing und die Einbeziehung von Kundendaten.

Nach der Mittagspause bieten zwei weitere Parallel-Vorträge Food for Thought. Jochem Wesling (NuBON GmbH & Co. KG) berichtet davon, wie man mithilfe digitaler Kundenkarten Transaktionsdaten analysiert und nutzt, während David Nelson (Rocket Fuel Inc.) über Markenoptimierung via Big Data referiert.
Beide Vorträge zeigen praktikable und unterschiedliche Ansätze um der Datenflut Herr zu werden.

Den letzten Vortrag, vor der mit Spannung erwarteten Keynote von Harper Reed, hält Frederik Pohl, Bereichsleiter Business Intelligence Strategy & Development der Otto Group. Technologische und organisatorische Lösungsansätze für die Herausforderung bei der Kapitalisierung von Big Data stehen hier im Fokus. Somit konnte aufgezeigt werden, wie sich einer der größten Versandhändler Europas systemtechnisch auf die Herausforderung „Big Data“ einstellt.

„The stage is yours“ heißt es dann und der selbsternannte „Hacker“ Harper Reed betritt die Bühne.

Schnell wird klar, warum der 35-jährige genau der richtige für den Job bei Obamas Wiederwahl 2012 gewesen ist. Reed berichtet über verschiedene Stationen seiner Karriere, der Erfindung von Crowd Sourcing und über Strategien und Techniken aus der Zeit als CTO in der Wahlkampagne des amtierenden US-Präsidenten Obama. Seine unkonventionelle und unterhaltsame Präsentation über ebenso unkonventionelle Wählergewinnung bildet einen krönenden Abschluss der Vortragsreihe und bietet völlig neue Ansichten von Big Data.

Die abschließende Podiumsdiskussion mit Harper Reed sowie allen weiteren Gastrednern, bietet anschließend reichlich Gelegenheit für Fragen und Austausch und entlässt das Publikum in die Abendveranstaltung im ehemaligen Hamburger Hauptzollamt, mitten in der Speicherstadt. Und während sich zwischen den rotgeziegelten Fassaden der Fleete die Sonne senkt, konnten die Gäste noch einmal die gewonnenen Impressionen beim Dinner Revue passieren lassen.